Laufreinigung

Wirksamkeit von Laufreinigungsstrategien am Beispiel einer Heym SR30 im Kaliber 6,5 Creedmoor

Verwendete Komponenten:
Innotech 101 Waffenöl
Dewey Putzstock + selbstgebauten Putzstock-Anschlag
Dewey Patches
Dewey Bürsten
J-B Cleaning Compound


Ausgangszustand nach 10 Schuss, Matt-Graue Oberfläche (Schmauch)


Reinigung mit Bronzebürste, Waffenöl Innotech 101 und Baumwoll-Patches

Reinigung mit Bronzebürste: 30 Patches, benötigter Zeitaufwand 25min

erstes Intervall (obere Reihe, von Links nach Rechts)
– Öl in den Lauf sprühen, gefolgt von 5 Hüben mit der Bronzebürste
– 1 trockener Patch
– 1 Patch mit Öl benetzt
– 1 trockener Patch
– 1 Patch mit Öl benetzt
– 2 trockene Patches

zweites Intervall (2. Reihe von oben, von Links nach Rechts)
– Öl in den Lauf sprühen, gefolgt von 5 Hüben mit der Bronzebürste
– 2 trockene Patches
– 1 Patch mit Öl benetzt
– 3 trockene Patches

Endoskopaufnahme nach dem zweiten Intervall:
goldfarbener Geschossabrieb am Feld und eingebrannter Schmauch (dunkel Grau) weiterhin deutlich erkennbar

drittes Intervall (3. Reihe von oben, von Links nach Rechts)
– Öl in den Lauf sprühen, gefolgt von 5 Hüben mit der Bronzebürste
– 2 trockene Patches
– 1 Patch mit Öl benetzt
– 3 trockene Patches

viertes Intervall (4. Reihe von oben, von Links nach Rechts)
– Öl in den Lauf sprühen, gefolgt von 5 Hüben mit der Bronzebürste
– 2 trockene Patches
– 1 Patch mit Öl benetzt
– 3 trockene Patches

Endoskopaufnahme nach dem vierten Intervall:
Schmauch und Geschossabrieb nach wie vor deutlich erkennbar

fünftes Intervall (5. Reihe von oben, von Links nach Rechts)
– Öl in den Lauf sprühen, gefolgt von 5 Hüben mit der Bronzebürste
– 2 trockene Patches
– 1 Patch mit Öl benetzt
– 3 trockene Patches

Endoskopaufnahme nach dem fünften Intervall:
Schmauch und Geschossabrieb nach wie vor deutlich erkennbar

Reinigung mit „J-B Non-Embedding Bore Cleaning Compound“ , Waffenöl Innotech 101 und Baumwoll-Patches

Obere Reihe erster Durchgang , mittlere Reihe zweiter Durchgang, untere Reihe Nachreinigung/Entölen – Zeitaufwand 12min

erstes Intervall (obere Reihe, von Links nach Rechts)
– Öl in den Lauf sprühen
– 1 Patch mit der Reinigungspaste dünn einstreichen, gefolgt von 10 Hüben
durch den Lauf (obere Reihe, Patch ganz links)
– Öl in den Lauf sprühen
– 2 trockene Patches
– 1 Patch mit Öl benetzt
– 3 trockene Patches

Endoskopaufnahme: links Ausgangszustand,
rechts nach dem ersten Reinigungsintervall mit J-B Bore Cleaning Compound, Oberfläche ist hellgrau glänzend, auf dem Feld ist nur noch wenig Geschossabrieb erkennbar

zweites Intervall (mittlere Reihe, von Links nach Rechts)
– Öl in den Lauf sprühen
– 1 Patch mit der Reinigungspaste dünn einstreichen, gefolgt von 20 Hüben
durch den Lauf
– Öl in den Lauf sprühen
– 2 trockene Patches
– 1 Patch mit Öl benetzt
– 3 trockene Patches

Endoskopaufnahme: nach dem zweiten Reinigungsintervall mit J-B Bore Cleaning Compound, Oberfläche ist hellgrau glänzend, auf dem Feld ist fast kein Geschossabrieb erkennbar

Drittes Intervall (untere Reihe, von Links nach Rechts)
– 6 trockene Patches, um sicher zu gehen das kein Öl oder Reinigungspaste mehr im Lauf ist.


Mikrorisse in der Oberfläche des Feldes


Hinweis: Auf dem Letzten Bild werden auch erste Verschleißmerkmale auf den Feldern, in Form von Mikrorissen durch thermische Wechselbeanspruchung, sichtbar. Zur Verdeutlichung sind ein paar der Risse Rot markiert.


„Krokodilhaut“-Bildung am Beginn des Übergangskegels, unmittelbar nach dem Patronenhals

Eine weitere beginnende Verschleißerscheinung bei der SR30 ist am Anfang des Übergangskegels zu erkennen. Hier entstehen durch thermische Wechselbeanspruchung ebenfalls Mikrorisse (rot markierter Bereich). Der Temperatursprung von Warm zu Kalt ist hier durch den dickeren Lauf ( höhere Wärmekapazität) und die brennenden Pulverkörner die in den Lauf geschleudert werden größer und folglich ist auch das Verschleißbild ausgeprägter. Man spricht bei dieser rauen und rissigen Oberfläche auch von „Krokodilhaut“.

Systembettung

In diesem Beitrag wollen wir uns den Fragen ‚Was versteht man unter Systembettung?‘ und ‚Warum ist diese so wichtig für die Präzision?‘ widmen.


Unter Systembettung versteht man die spannungs- und verzugsfreie Anlage der Systemhülse im Schaft.


Dieser Zustand ist leider auch bei Neuwaffen nicht immer gegeben. Also wie erreicht man diesen Zustand oder worauf sollte man beim Kauf achten:

1. Variante: Pillarbettung

Bei dieser Art der Bettung werden Stützhülsen (sogenannte Pillar, engl. Säule) in den Schaft eingelassen, auf denen dann die Systemhülse obenauf liegt und der Magazinkasten von unten mittels der Systemschrauben dagegen gedrückt wird. Dies ist die einfachste Form der Spannungsfreien Schaftbefestigung. Durch die sehr kleine Kontaktfläche zw. Systemhülse und Pillar werden Schwingungen fast gar nicht gedämpft.

2. Variante: Blockbettung

Hierbei wird für gewöhnlich ein gefräster V-Förmiger Block aus Aluminium in den Schaft eingelassen bzw. bei Kunststoff- und Carbonschäften direkt bei der Herstellung mit eingegossen/ eingespritzt. Aufgrund der aufwendigeren Herstellung findet man dieses System häufiger bei hochwertigen Waffen.
Im Vergleich zur Pillarbettung ist die Kontaktfläche zwischen Bettungsblock und System deutlich größer und folglich auch die Schwingungsdämpfung. Bei Schaftsystemen aus Aluminium ist Schaft und Bettungsblock aus einem Stück.

3.Variante: Epoxidharzbettung

Diese Art der Bettung bietet, von den hier erwähnten Varianten, die größte Kontaktfläche zwischen Systemhülse und Schaft. Erreicht wird dies, in dem der Hohlraum zwischen Schaft und System mit 2-Komonenten-Epoxidharz ausgegossen wird. Durch die sehr gute Dämpfung der im Schuss auftretenden Schwingungen, ist diese Form der Bettung besonders bei „Bench-Rest-Schützen“ weitverbreitet.

Epoxidharzbettung für 98er-System

4. Variante: händisches Einpassen

Die zwei zuerst genannten Varianten finden sich heute besonders bei Waffen die man „von der Stange“ kaufen kann, da diese Verfahren sich leicht in die Serienfertigung implementieren lassen und kostengünstig sind. Bei Holzschäften kann ein Spannungsfreier Sitz der Hülse im Schaft auch durch manuelles Anpassen des Schaftes mit Hilfe von Tuschierfarbe und Stechbeitel reicht werden. Bei hochwertigen Waffen und Maßschäften ist dies das übliche Verfahren.


Sollte die Präzision ihrer Waffe ungenügend sein, könnte eine fehlende / schlechte Bettung eine der Ursachen sein. – Aber keine Sorge die Bettung kann auch nachträglich erneuert werden.